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Märkische Allgemeine Zeitung
Montag 20. Juli 2009
Ein ringelnatziges Rotkäppchen
Herzerfrischendes in Bücknitzer Kirche
Wer bisher geglaubt hatte, das Grimm'sche Märchen von Rotkäppchen und dem Wolf gut zu kennen, der konnte sich am Sonnabend in der Dorfkirche zu Bücknitz eines Besseren belehren lassen. Dort hat die Berliner Schauspielerin Susan Muhlack die Geschichte vorgetragen, wie sie einst Joachim Ringelnatz seinen Kindern erzählt hat. Musikalisch unterstützt wurde sie von der Klarinettistin Astrid Graf. Die über 100 Zuhörer staunten nicht schlecht, als sie hörten, was Rotkäppchen der kranken Großmutter zur Stärkung bringen sollte. Nach dem Motto „Viel hilft viel“ legte ihr die Mutter Hochprozentiges in den Korb wie schottischen Whisky, schwedischen Punsch, Rostocker Korn, eine Buddel Köm und noch einiges mehr. Und mit der Mär, dass alte Frauen schwach und hinfällig seien, hat Ringelnatz ein für alle Mal aufgeräumt: Die kranke Großmutter fraß Wolf, Rotkäppchen und den Jäger mit Haut und Haaren einfach auf. Das soll ihr erstmal einer nachmachen mit ihren vielen Zahnlücken!
Unnachahmlich und herzerfrischend war das Ringelnatz-Programm, das die beiden Künstlerinnen zusammengestellt haben. Das Publikum lernte den Dichter mit Versen kennen wie beispielsweise vom Bumerang: „War einmal ein Bumerang, war ein Weniges zu lang. Bumerang flog ein Stück, aber kam nicht mehr zurück. Publikum noch stundenlang wartete auf Bumerang.“ Noch in seinen schrägsten Nonsensgedichten hat Ringelnatz die Menschen und ihre Schwächen treffend porträtiert. So lässt er eine Lampe und einen Spiegel heftig streiten. Der Spiegel kriegt vor lauter Wut einen Sprung und die Lampe kann vor Empörung nicht mehr richtig brennen und raucht und rußt. Und das Fazit? „Das Stubenmädchen ließ beide in Ruhe und doch man schob ihr die Schuld in die Schuhe.“
Sein Gedicht „Der Klimmzug“ haben die beiden Künstlerinnen als Sketch präsentiert. Astrid Graf bewies als Turnerin eindrucksvoll ihr schauspielerisches Talent. Was treibt einen Menschen dazu an, seinen Körper mit den eigenen Bizeps in die Höhe zu wuchten, mag sich der Dichter gefragt haben. Und er hat einen Vorschlag parat: „Stelle dir vor, dort oben winken Schnäpse und Schinken.“ Und wenn das nicht hilft? „Du musst in Gedanken wähnen, du hörtest unter dir einen Schlund gähnen. In dem Schlund sind Igel und Wölfe versammelt, die freuen sich auf den Menschen, der oben bammelt.“
So viel Hintersinn des 1883 in Wurzen/Sachsen geborenen Dichters blieb auch den Nazis nicht verborgen. Bereits 1933 bekam der „reisende Artist“, wie er sich selbst bezeichnete, Auftrittverbot. Seine Bücher darunter sein berühmter Seeheld Kuttel Daddeldu landeten auf den Scheiterhaufen der Bücherverbrennung. 1934 starb Ringelnatz in Berlin an den Folgen einer zu spät entdeckten Tuberkulose.
Ann Brünink
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 15. Juni 2009
Reise in die Welt der Feen und Kobolde
Irische Sängerin verzaubert Bücknitz
Sie hat gesungen wie eine Fee!“ Diese Aussage von Gerlinde Tietze aus Bücknitz kann es nicht passender treffen, was Hilary O’Neill beim zweiten diesjährigen Bücknitzer Sommerkonzert am Sonnabend den 50 Besuchern geboten hat. Auf einer keltischen Harfe spielte O’Neill irische Lieder und sang dazu auf Englisch und Gälisch. Ihre Lieder, die hauptsächlich von Feen, Kobolden, Zwergen, Riesen und jahrhundertealter Legenden erzählen, übersetzte sie ins Deutsche. Dadurch gelang es den Zuhören, sich noch besser in die Musik hineinzuversetzen. Mal heiter, mal melancholisch, schlossen viele einfach die Augen, wippten mit den Füßen mit oder träumten vor sich hin. Es wurde auch gelacht. Zum Beispiel als sie die Legende von dem krummen Weißdornbaum hörten. Ein reicher kleiner Mann, der wegen seines Buckels verspottet wurde, trug dem Rat einer Elfe folgend sein Gold dorthin, wo die Kobolde tanzten. Dabei schlief er ein. Als er wieder aufwachte war sein Buckel weg, doch am Berg stand von nun an der Weißdorn gebogen und krumm.
Wer bis dahin immer noch nicht in den Bann der irischen Geschichten und Lieder gezogen wurde, war spätestens beim bekannten Lied „Amazing Grace“ verzaubert. O’Neill gelang es, eine so authentische Stimmung zu schaffen, als wäre man für zwei Stunden auf der Grünen Insel. Zum Schluss lud sie alle ein, beim Volkslied „Freut euch des Lebens“ einzustimmen. Es klang, als würde ein Chor in der Kirche singen.
2007 kamen die Gäste schon mal in den Genuss ihrer wunderschönen Stimme und der Harfenklänge. Beim Vereinsvorsitzenden Thomas Böhm-Christl gab es Anfragen, ob die Künstlerin wieder auftreten könnte. O’Neill kam gern. ,,Hier ist eine tolle Akustik, die Besucher sind aufmerksam und sehr interessiert. Mehr kann sich ein Musiker nicht wünschen“, schwärmt sie. Zum Harfespielen kam die ausgebildete Sängerin, weil es in Irland das Nationalinstrument ist..
Böhm-Christl, selbst Musiker, hatte 1998 die Idee, das bis dahin wenig genutzte Kirchengebäude in Bücknitz zu bespielen. Anfangs spielte er selber mit verschiedenen Ensembles. Zwei Jahre später gründete sich der Kulturförderverein. Die 15 Mitglieder machen alles ehrenamtlich, backen Kuchen und kochen Kaffee für die Bewirtung in den Pausen und haben es bereits zu etwa 70 Sommerkonzerten geschafft. Auch diesmal können sich die Besucher, darunter viele Stammhörer, mit einer musikalisch-szenischen Ringelnatz-Lesung sowie indischen Kathak-Klängen auf ein abwechslungsreiches Programm freuen.
Die Bücknitzer freut noch etwas: In diesem Jahr soll endlich mit der Sanierung des Kirchturms begonnen werden. Auch für den zweiten Abschnitt, das Dach des Schiffes, gibt es einen positiven Fördermittelbescheid.
Caroline Hudeczek
Märkische Allgemeine Zeitung
Freitag 17. Oktober 2008
Neue Hoffnung auf Rettung
Stadt Ziesar setzt sich für Sanierung der Bücknitzer Dorfkirche ein und will Fördermittel akquirieren
Die junge Kirchenälteste Katrin Zacher, Ortsbürgermeister Karl-Heinz Guhl und Mitstreiter vom Bücknitzer Kulturförderverein hoffen eins: „Dass endlich Bewegung in die Sache kommt.“ Daher können sie den kürzlich gefassten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Ziesar, „die Dorfkirche im Ortsteil Bücknitz in den nächsten Jahren zu sanieren“, nur begrüßen. Das Investitionsprogramm ist entsprechend zu präzisieren, heißt es. Denn aufgrund der Schädigung an dem denkmalgeschützten und ortsprägenden Gebäude, das auch außerkirchlich genutzt wird, besteht dringender Handlungsbedarf. Amtschef Norbert Bartels nennt eine Gesamtsumme für die Sanierung von Turm und Schiff von rund 180 000 Euro. Wie beim Schul- und Bethaus Dretzen wird eine Finanzierung aus dem Fördertopf ländliche integrierte Entwicklung (ILE), Mitteln der Kirchengemeinde, Kommune und des Denkmalschutzes des Kreises angestrebt. Voraussetzung ist eine Vereinbarung über eine öffentlich-rechtliche Nutzung. „Unser Antrag von 2007 wird jetzt präzisiert und auf den Weg gebracht“, sagte Bartels gestern auf Nachfrage.
Der aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Westturm hat es am allernötigsten. Um Besucher der Gottesdienste und der 1998 etablierten und inzwischen überregional bekannten Sommerkonzerte vor abbröckelndem Putz zu bewahren, mussten am Eingang Holzbohlen als schützendes „Dach“ aufgestellt werden. „Es wurde schon viel geredet, immer wieder waren Gutachter da, mehrere Konzepte wurden abgegeben, doch bislang herrscht Stillstand“, berichten Katrin Zacher, deren einjährige Tochter zuletzt im Bücknitzer Gotteshaus getauft wurde, und Karl-Heinz Guhl, für den dieses Ereignis 61 Jahren zurückliegt. Abgesehen von der Mitte der 90er Jahre eingerichteten Winterkirche blieben Sanierungsbemühungen bisher erfolglos. Dabei haben die Bücknitzer zur Rettung des aus dem 13. Jahrhundert stammenden Feldsteinbaus, dessen wertvollstes Stück der romanische Taufstein ist, einiges auf die Beine gestellt. So wurden 2003 vom Kulturförderverein unter Vorsitz des Berliners Thomas Böhm-Christl und 2006 von der Kirchengemeinde Sammelaktionen gestartet, bei denen einige tausend Euro zusammenkamen. Handgemalte Bilder der Kirche wurden versteigert, zu ihren Gunsten selbst gebackener Kuchen verkauft, freiwillig die Mietzahlung des Vereins für Sommerkonzerte verdoppelt. „Es haben auch viele im Dorf gespendet, die nicht zu Gottesdiensten gehen“, betont Katrin Zacher. „Die Leute sind enttäuscht, wenn sie von ihrem Geld keine Ergebnisse sehen.“ Auch Kirchspiel-Vorsitzende Siglinde Wendt setzte sich ein. Ein 2002 beim Amt für Flurneuordnung in Brieselang gestellter Förderantrag wurde indes abgelehnt, weil andere Maßnahmen dringender waren.
Nun hofft man auf ILE-Mittel. „Wir sind dafür prädestiniert, weil unter Einbeziehung des benachbarten Dorfgemeinschaftshauses allerhand Aktivitäten stattfinden.“ So gibt es jährlich sechs viel beachtete Sommermusiken und ein Weihnachtskonzert, die der Kulturförderverein organisiert. Frauen- und Kinderkreis der evangelischen Gemeinde stehen auch anderen offen. „Es wäre schön, wenn im nächsten Jahr endlich mit dem Turm begonnen werden könnte“, so Zacher und Guhl. Dieses Ziel hat offenbar auch Bürgermeister Dieter Sehm: „Mit dem Grundsatzbeschluss verpflichtet sich die Stadt und wird alles tun, um Fördermittel zu akquirieren.“
Claudia Nack
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 21. Juli 2008
Eviva España!
„Flamenco Carmesí“ begeisterte
Peng, peng, peng - wie Maschinengewehrschüsse knallt Cornelia La Minera ihre Tanzschritte auf das hölzerne Podium in der Bücknitzer Dorfkirche. Es ist Samstag, und die etwa 100 Besucher erleben mit der Tänzerin, dem Sänger Juan Reyes und dem Gitarristen Rayko Schlee vom Ensemble „Flamenco Carmesí“ klassischen Flamenco in seiner reinsten und schönsten Form. Es gebe viele Stile, wie beispielsweise Alegrías, Bulerías, Tanguillos oder Tientos Tangos, erklärt der Gitarrist, der sich seit etwa 15 Jahren der Flamencomusik mit Haut und Haaren verschrieben hat. Er habe sich das Gitarrespielen weitgehend autodidaktisch beigebracht, aber für den Flamenco auch Kurse in Spanien besucht, sagt er. Die Flamencotänzerin Cornelia La Minera kenne er schon lange, nämlich aus den Zeiten, als es noch Ostberlin gab. Beide habe der gleiche Virus erwischt - die Liebe zum Flamenco.
Kaum zu glauben, dass die rassige Schöne mit den klassischen Gesichtszügen eine waschechte Deutsche ist, im Erzgebirge geboren. Sie habe eigentlich eine Ausbildung als Malerin gemacht. Doch dann habe sie Flamenco erlebt und sofort gewusst, dass sie das machen wolle, erinnert sie sich. Gesagt, getan. Sie habe in Madrid und in Andalusien - der Wiege des Flamenco - Tanzschulen besucht und den Flamenco von der Pike auf gelernt. 20 Jahre sei das jetzt her. Heute wirkt Cornelia La Minera auf der Bühne absolut authentisch.
Der klassische Flamenco bestehe aus Gesang (cante), Instrumentalspiel (toque), insbesondere dem Spiel der Gitarre (guitarra flamenca), und dem Tanz (baile). Die Spanienbesucher bekämen heutzutage viel Folkloristisches vorgeführt, weil es so schön spanisch wirke, sagt Schlee. Mit dem echten Flamenco habe das wenig zu tun. Denn der drücke das Lebensgefühl der Urheber aus, nämlich der andalusischen Zigeuner. Und deren Lebensgefühl sei geprägt gewesen von Verfolgung, Entbehrungen, Hunger und Leid. All das drücke sich im Gesang aus, der bis heute von Generation zu Generation überliefert wird.
Mit viel Pathos und seiner faszinierenden Stimme führt Juan Reyes vor, was gemeint ist. Er ringt die Hände, greift sich immer wieder ans Herz und lässt lang anhaltende Klagelaute erschallen. Juan Reyes ist waschechter Spanier, doch lebt er seit 2005 in Hannover - der Liebe wegen, übrigens zu einer Spanierin. Er hat sich als guter Flamencosänger in Deutschland einen Namen gemacht und kann von seiner Kunst leben.
Peng, peng, peng - und wieder wirbelt Cornelia La Minera im Stakkato über die Bühne. Doch es gibt nicht nur die schnellen Passagen beim Flamencotanz. Absolute Präzision und Körperbeherrschung verlangen die langsamen Schrittfolgen, die wie in Zeitlupe getanzt werden. Es tanzen nicht nur die Beine, sondern der ganze Körper wird einbezogen. Die Arme vollführen kleine, kunstvolle Bewegungen, ja sogar Kopfhaltung, Blickrichtung und Mimik haben eine Bedeutung. Mit Hilfe der einzelnen Tanzfiguren kommuniziert sie mit den Musikern. Ein atemberaubend schönes Bild. Eviva España!
Ann Brünink
Brandenburger Wochenblatt
29. Juni 2008
Musikfreunde in Bücknitz
Konzerte in der Kirche
Das beschauliche Dörfchen unweit der alten Bischofstadt Ziesar ist für den Musikfreund währen der Sommermonate eine gute Adresse. Die kleine spätromanische Feldsteinkirche wird dann in schöner Regelmäßigkeit zum Konzertsaal. Nicht für große Besetzungen, eher für die kleinen, die ebenso reizvoll sein können. Initiator der sechsteiligen jährlichen Konzertreihe, deren Veranstaltungen jeweils sonnabends um 16.00 Uhr stattfinden, ist der Kulturförderverein Bücknitz e. V., die Organisation und die Verpflichtung der Künstler liegt in den Händen von Thomas Böhm-Christl. Ein verdienstvoller Mann: die Konzertreihe hat bereits eine elfjährige Tradition und einen festen, dankbaren Besucherstamm, den auch die Musiker zu schätzen wissen. Reizvoll ist bereits das Ambiente. Kirche und Gemeindehaus liegen auf dem selben, baumbestandenen Areal. Wer sich zu einem Konzertbesuch entschließt, kann sein nachmittägliches Kaffeetrinken getrost nach Bücknitz verlegen, denn in letzterem werden Kaffee und im Dorf gebackener Kuchen zu moderaten Preisen angeboten. Beim zweiten diesjährigen Konzert erlebten die Besucher „Harry's Freilach“. Harry Timmermann, Klarinettist, und Aleksandr Danko, Knopfakkordeon, intonierten Klezmer-Musik. „Freilach“ kann mit „Fröhliche Hochzeits- und Feiermusik“ übersetzt werden. Es ist die unverwechselbare Musik der Ostjuden, die seit den siebziger Jahren auch in Deutschland eine begeisterte Hörerschaft fand. Begeistert war auch das Bücknitzer Publikum, das sich durch anhaltenden Applaus mehrere Zugaben verdiente. Weitere Konzerte finden am 5. und 19. Juli, am 30. August und am 13. September statt. Dabei geht es um eine musikalisch begleitete Lesung, Flamenco, Jazz und populäre Musik aus Brasilien.
Förster
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag 8. Juni 2008
Schrill und fetzig rund um die Welt
Gelungener Auftakt der Bücknitzer Sommerkonzerte mit IG Blech
Wer bei Blasmusik auf dem Dorf an Umtata, Umtata denkt, der kennt IG Blech nicht. Das Aussehen der Berliner Blechbläser ist schrill, ihr Sound fetzig. Statt gefühligem Dröhnen vom deutschen Wald laden die Blechexoten ein zu einer musikalischen Reise rund um die Welt. Und so strömten am Samstag etwa 60 Zuhörer aus allen Himmelsrichtungen in das kleine Bücknitz, um sich den Auftritt der 19 Laienmusiker nicht entgehen zu lassen.
Das freute den Posaunisten und Moderator Andreas Köhler. Artig bedankte er sich für das Erscheinen der Dörfler. „Werden Sie Fans von uns, damit wir nicht immer vor den krummen, bleichgesichtigen Berlinern spielen müssen“, flachste er. Dabei sind die Bandmitglieder alle Berliner Urgesteine. Sie bringen es mühelos fertig, im hellblauen langen Nachthemd, piefigen Putzkittel, im weißen Handwerkeroverall oder im bunten Afrolook aufzutreten. Außerdem waren noch einige Hawaiihemden vertreten. Nicht zu vergessen der Pilot mit Fliegerkappe und zünftiger Brille, der im zivilen Leben 27 Jahre lang Medizinmann im Urbankrankenhaus war.
Egal, ob sie südamerikanische Titel spielen oder osteuropäische, ob Jazz oder Tango die Töne klingen nur dann schräg, wenn sie schräg klingen sollen. Ansonsten sitzen sie perfekt. Es herrscht viel Bewegung, die Band folgt ihrer eigenen Choreografie. Da bilden sich kleine Gruppen zu afrikanischer Musik, da wird getanzt, da werden kleine und große Sprünge gemacht. Nur geschunkelt wird nicht.
Die Wurzeln von IG Blech reichen zurück bis in die Zeit der Alt-68er. „Rotes Signal“ nannte sich 1974 die Band und spielte revolutionäre Songs wie „Völker hört die Signale“ oder „Und weil der Mensch ein Mensch ist“, solche Sachen eben. Doch 1979 wollte das niemand mehr hören, da habe sich die grün-alternative Bewegung entwickelt, erinnert sich Harald Remé, Mann der ersten Stunde. Das sei die Geburtsstunde von IG Blech gewesen. Auch Max Reimann, der Tubaspieler, war schon zu Zeiten des „Roten Signals“ dabei.
Karin Henkes spielt Piccoloflöte, aber auch an der Trommel macht die Musikschullehrerin eine gute Figur. Die Band reise gerne, sei schon in Frankreich und Großbritannien gewesen, überall hätten sich Freundschaften entwickelt. Im Herbst wolle man nach Kuba fahren. Danach werden die Rhythmen sicherlich noch feuriger sein, die Auftritte noch bunter.
Musiker und Zuhörer hatten in Bücknitz gleichermaßen Spaß. Und so war der Auftritt von IG Blech ein wirklich gelungener Auftakt für die vom Kulturförderverein Bücknitz organisierten Sommerkonzerte. Damit erschöpften sich zurzeit die Aktivitäten des Vereins, so Vorsitzender Thomas Böhm-Christl. Denn die Wege zur Bewilligung von Fördergeldern für die Renovierung der Dorfkirche seien sehr mühsam und lang.
Ann Brünink
Märkische Allgemeine Zeitung
24. September 2007
Harlekin zum Ausklang
Mit Commedia dell’ Arte enden Sommerkonzerte 2007
Diesmal wollten die Musiker gern draußen spielen, statt in der Kirche zu frieren, „und so haben sie auch noch Auslauf, den brauchen sie nämlich“. So kündigte Veranstalter Thomas Böhm-Christl am Sonnabend das letzte Bücknitzer Sommerkonzert für dieses Jahr an. Auslauf benötigten die Künstler für Tanz, Pantomime und derbe Späße nach Art der italienischen Commedia dell’ Arte.
Daniele Ruzzier aus Venedig und seine Partnerin Gaby Bultmann aus Berlin zauberten die Zuschauer im Garten vor der Bücknitzer Feldsteinkirche zurück in das 17. und 18. Jahrhundert. Zu Beginn schleppte Harlekin (italienisch: Arlecchino) unter den strengen Blicken seines Herrn, des Hofmusikers in Kniehosen und Allongeperücke, eine riesige Truhe herbei, unter deren Last er fast zusammenbrach. Natürlich war alles nur Spiel. Und so konnte der Diener auch hinterrücks dem Herrn eine Nase drehen.
In der Truhe befanden sich allerlei historische Musikinstrumente: verschiedene Blockflöten, eine Taschengeige „Pochette“ oder ein heutzutage unbekanntes Instrument „Mirliton“, dessen Töne klingen wie auf dem Kamm geblasen. Damit hat das 1999 gegründete Duo bereits zahlreiche Auftritte im Bereich Musik-Tanz-Theater realisiert. „Gerade waren wir im rumänischen Sibiu oder Hermannstadt, was in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt ist“, erzählte Gaby Bultmann in der Pause. Zum Repertoire zählen rund ein Dutzend Projekte, von den mittelalterlichen Carmina Burana über Dantes Göttliche Komödie bis hin zu barocken Tänzen am Hofe Ludwigs XIV. von Frankreich. Die Kompositionen stammen teils von bekannten Meistern wie Giovanni Gastoldi und Johann Sebastian Bach oder eher unbekannten wie Johann Jacob van Eyck aus Amsterdam.
Hatte Gaby Bultmann anfangs den hochmütigen Tanzmeister gegeben, so riss ihr Arlecchino am Schluss des ersten Teils die langhaarige Perücke vom Kopf, und heraus kam eine junge Frau mit niedlichen Zöpfen. Die könnte aber den ungebärdigen Narren ebenso gut zähmen wie zuvor der standesbewusste Höfling.
Für die Sommerkonzerte 2008 kündigt Böhm-Christl etwa ein Freiluftkonzert mit der IG Blech, Klezmer mit Harrys Freilach und Flamenco mit „Cornelia La Minera“ an. Für derlei Exquisites werden die Besucher, wie auch diesmal, selbst aus größeren Entfernungen wie aus Berlin anreisen.
Peter E. Gramse
Märkische Allgemeine Zeitung
9. Juli 2007
Harfenistin aus Irland verzaubert Zuhörer
Bei bestem irischen Wetter erfreute Hilary O’Neill am Sonnabend in der Dorfkirche das Publikum, das auf Einladung des Kulturfördervereins zur diesjährigen dritten Sommermusik im 10. Jubiläumsjahr den Weg nach Bücknitz fand. Und das an einem Glück bringenden Datum, dem 07.07.07. Mit Glück im Herzen würden alle Zuschauer am Ende des Tages heimkehren, wie O’Neills Ehemann versprach, der sie auf ihrer Tournee begleitet. Und ein wenig hatte man tatsächlich das Gefühl, die kurze Reise mit Hilary O’Neill in die Geschichten und Legenden der grünen Inseln ließe ein Stück Freude mit nach Hause nehmen. Da gab es Geschichten von verwunschenen Schwänen, die erst nach tausend Jahren beim Klang der Glocke erlöst werden würden, oder von jemandem, der seine Heimat verlassen musste und nicht zurück durfte.
Mit ihrer Harfe und der hellen Stimme, die scheinbar perfekt auf das Instrument abgestimmt war, saß sie erhöht in dem kleinen Altarraum der Bücknitzer Dorfkirche und ließ das Publikum an keltischen Gesängen teilhaben. Auch wenn wohl die Mehrheit die Liedtexte nicht verstanden haben mochte, konnten die Inhalte durch die Ausdruckskraft der Musikerin und durch die kleinen einführenden Erzählungen erahnt werden. So fühlte man sich in das Leid der Mary Hamilton hineinversetzt, die von König Henry ein Kind erwartete und daraufhin zum Henker gebracht wurde.
Aber nicht nur eher traurige Töne wurden am Sonnabend angeschlagen, auch an einer Spur Witz und Ironie fehlte es nicht. So leitete Hilary O’Neill einen allseits bekannten Titel „Greensleeves“ mit dem Kommentar ein: „Vielleicht kennen Sie es auch von Ihrem Mobile.“ Sie selbst habe eine ganz eigene Idee, wie das angeblich von König Henry komponierte Stück zustande gekommen sei. Nicht jener berüchtigte König, sondern eine seiner Frauen habe es ihm zu Ehren kreiert. Diese Erklärung untermalt Hilary mit leisen Tönen auf der Harfe, bis King Henry besagte Frau umbringen lässt und die Harfe mit einem letzten schiefen Ton verstummt. All diese, als kleine Einleitungen in die Lieder gedachten Anekdoten, erzählt sie mit einem unüberhörbaren Akzent. Da sie sich dieser kleinen Schwäche jedoch sehr bewusst ist und damit zu spielen weiß, bekommen diese Prologe eigenen Charme, der durch ihr Auftreten mit tannengrünem Cape und rötlichen Haaren noch betont wird.
Die Mischung aus sehr alten keltischen Melodien und jüngerer Folklore schien allen Zuschauern zu gefallen, so dass sie nach jedem einzelnen Stück mit langem Applaus belohnt wurde. Der Weg ihrer Tournee führt sie noch bis Mitte September durch die Bundesrepublik, bis sie dann wieder in Irland auftritt. Vielleicht, um neue Geschichten und Legenden mitzubringen.
Caroline Markgraf
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 10. Juli 2006
Berliner Schnauze mit viel Herz
Wie die Künstlerin Lulu Marotzke die Krumme Lanke nach Bücknitz brachte
„Ich hab' noch einen Koffer in Berlin“, singt Lulu Marotzke. Erstaunliches ist in ihm drin. Doch das erfahren die etwa hundert Zuhörer in der voll besetzten Bücknitzer Dorfkirche erst später. Zunächst erleben sie die Marotzke zugeknöpft in einem braunen Trenchcoat, langen dunkelgrauen Hosen mit Nadelstreifen, braunen Schuhen aus geflochtenem Leder und einem Herrenhut auf den dunklen Locken. Was die Besucher nicht ahnen: Sie erleben gerade eine Premiere. „Vom Gleisdreieck zur Krummen Lanke“ heißt ihr Programm, das sie eigens für ihren Auftritt am Samstagnachmittag in Bücknitz zusammengestellt hat. Ihr Thema seien die Goldenen Zwanziger Jahre, informiert Marotzke und lädt ein zu einer musikalischen Stadtbesichtigung, die es in sich hat. „Die Linden lang! Galopp! Galopp!/ Zu Fuß, zu Pferd, zu zweit!/ Mit der Uhr in der Hand, mit’m Hut auf'm Kopp./ Keine Zeit! Keine Zeit! Keine Zeit!“ Fast fühlt man sich als Zuhörer in die heutige Zeit versetzt, aber der Song „Mit der Uhr in der Hand“ stammt von Otto Reutter und beschreibt das Lebensgefühl der Berliner, die auch damals schon Sklaven der Uhr waren. Ihr ganzes Leben ist durchgeplant, und so hetzen sie mit der Uhr in der Hand auch zum Rendezvous um 14.10 Uhr. Natürlich ist nicht
Natürlich war es für die verliebte Frau alles andere als leicht, standhaft zu bleiben und nicht gleich in der ersten Nacht mit ihrem Galan ins Bett zu hüpfen. Aber sie hat vorgesorgt und Büstenhalter und Hemdchen mit vielen rostigen Sicherheitsnadeln versehen. Gute Vorsätze kann man leicht vergessen, wenn Alkohol im Spiel ist, aber rostige Sicherheitsnadeln halten auch dem größten Schwips stand, so ihre Erfahrung. Ob die Ballade von der „Hochzeit bei Zickenschulze“ oder „Das Lied von der Krummen Lanke“
Ann Brünink
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 8. August 2005
Musikalische Erpressung
"Blackmail" in Bücknitzer Kirche
Black Mail heißt eigentlich Erpressung. Aber man kann es auch so übersetzen: "Black, das heißt schwarze Musik, und Mail, weil die Post abgeht - hoffentlich." So erklärt Dietmar "Didi" Rönsch den Namen der Berliner Band, die am Samstag beim Sommerkonzert in der Bücknitzer Dorfkirche auftrat. Didis Hoffnung blieb nicht unerfüllt. Das Publikum in dem voll besetzten kleinen Gotteshaus ging begeistert mit. Dabei war die Musikrichtung "Rhythm'n Blues" zum ersten Mal in Bücknitz zu erleben, wie Organisator Thomas Böhm-Christl vom örtlichen Kulturförderverein sagte. Sonst ist meist Klassik oder auch Folk-Musik zu hören.
Die Band um Lead-Sänger Didi Rönsch spielt und singt keine eigenen Kompositionen, sondern nur Cover-Versionen bekannter Stars wie Joe Cocker, der Commitments, der Rolling Stones oder den gesamten Soundtrack aus dem Film "Blues Brothers". Das aber äußerst professionell und mitreißend. Dabei sind alle Bandmitglieder, neben Didi die beiden Sängerinnen Conny Vollmers und Eva Schoppmann, Jotham Bleiberg an der Trompete, Martin Deuker (Gitarre), Burkhard Licht (Bass), Kay Forster (Keyboards), Axel "Glenn" Müller (Saxophon) und Christian Hohenbild (Schlagzeug) Amateure. Die Altersspanne reicht von 23 bis 61 Jahren. Alle haben richtige Berufe oder studieren. Didi Rönsch selbst ist Mathelehrer, wie er sagt.
Etwas ungewohnt war es für die Blackmails, die sonst meist in Berliner Kneipen spielen, in einer Kirche aufzutreten. Blues oder Rock'n Roll in der Kirche, das sei wohl in der USA gang und gäbe, aber hier noch selten, meinte Rönsch. Immerhin finden in der Bücknitzer Kirche neben den inzwischen in der Region bekannten Sommerkonzerten auch regelmäßig Gottesdienste statt.
Der Kulturförderverein bemüht sich, zur Erhaltung des wahrscheinlich schon aus dem 13. Jahrhundert stammenden Baus aus Feldsteinen beizutragen. Die Finanzierung der Konzerte allein aus den mäßigen Eintrittsgeldern wäre allerdings laut Thomas Böhm-Christl nicht möglich. Aber mit Hilfe von Sponsoren käme man über die Runden.
Als nächste Veranstaltung steht für Samstag, 20. August, die "Grine Kuzine" aus Berlin auf dem Programm der Bücknitzer Sommerkonzerte.
Peter E. Gramse
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 8. August 2005
Virtuosität mit Hindernissen
Trotz hoher Luftfeuchte erlebte Bücknitz ein entzückendes Konzert
Wenn Musiker ihre Schätze sichten, dann kommt dabei manchmal ein entzückendes Konzert heraus. Zumindest traf das am Samstagnachmittag auf das Konzertprogramm zu, das das „Duo Cantabile“ - Uta Hoyer, Cello und Dagmar Flemming, Harfe - den etwa 80 Zuhörern in der Kirche zu Bücknitz präsentiert hat. Dagmar Flemming stammt aus einer Familie, die seit Generationen immer wieder Musiker hervorgebracht hat. Die zeichneten sich nicht nur durch musikalisches Talent, sondern auch durch eine große Sammelleidenschaft aus. Und so hat Dagmar Flemming einen riesigen Schatz von Noten geerbt, der bezaubernde Werke von Komponisten der Romantik birgt wie Gabriel Verdalle, Hermann Hopf, Walter Huber und anderen, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind.
Aber auch „gestandene“ Komponisten kamen zu Gehör, wie beispielsweise Robert Schumann (1819-1896) mit seiner „Träumerei“ oder die „Sarabande“ von Georg Friedrich Händel (1655-1769). Ganz entzückend war die Geschichte, die Dagmar Flemming über Ruggiero Leoncavallo (1858-1919) zu berichten hatte. Es traf sich, dass der Komponist die Aufführung seiner Oper „Bajazzo“ in einem kleinen italienischen Städtchen miterlebte. Da er als ihr Schöpfer die Oper nur allzu gut kannte, fesselten ihn weitaus mehr die Reize einer bezaubernden jungen Dame neben ihm. Wie ihm denn die Oper gefalle, sprach diese ihn plötzlich an. Aus einer Laune heraus beschloss Leoncavallo, die bezaubernde Schöne etwas zu necken: Es sei doch alles geklaut, behauptete er ernsthaft, von Verdi und auch von Beethoven! Die junge Frau mochte das kaum glauben und fragte mehrmals nach. Doch Leoncavallo blieb bei seiner Behauptung. „Die ehrliche und ungeschminkte Meinung des Komponisten über den ‘Bajazzo‘“, lautete daraufhin am nächsten Morgen die Schlagzeile eines Artikels in der Zeitung, der mit „Signorina Braschi“ unterzeichnet war.
Die Cellistin Uta Hoyer beherrscht ihr Instrument virtuos. Zumindest so lange, wie die G-Saite das zulässt. Nach dem tagelangen Regen war die Luft rund um die und in der Bücknitzer Kirche extrem voller Feuchtigkeit, die der Wirbel besagter Saite gierig aufsog. „Quietsch“, machte es da plötzlich und die Töne auf der G-Saite verrutschten und wurden immer schräger, weil der Wirbel die Saite nicht mehr halten konnte. Und so kam es, dass Hoyer ihr Cello-Solo erst beim zweiten Anlauf gelang. Wie der Reiter über den Bodensee absolvierte sie einen Parforce-Ritt durch die „Bourree“ von Johann Sebastian Bach.
Bücknitz ist in jeder Hinsicht eine Reise wert. Dank der engagierten Mitglieder des Kulturfördervereins haben die Veranstaltungen in der Bücknitzer Kirche den Charme einer kleinen Landpartie.
Ann Brünink
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag 23. August 2004
Ein ungewöhnliches Quartett
Berliner Musiker spielten in Bücknitz
Turmsanierung steht an
„Heiter, aber nicht oberflächlich, unterhaltsam, aber nicht seicht“, unter diesem Motto musiziert ein Berliner Quartett, dessen Besetzung eher ungewöhnlich ist. Denn wer neben Violine, Viola und Violoncello ein weiteres Streichinstrument erwartete, sieht sich getäuscht. Am Samstag konnte man sich vom Zusammenspiel der drei Streicher mit einem Klarinettisten überzeugen und begeistern lassen. Das „Quartetto Sereno“ lockte zu dem vom Kulturförderverein Bücknitz organisierten Sommerkonzert rund 30 Gäste in die kleine Dorfkirche. Stephan Landgrebe (Klarinette), Darius Blaskiwitz (Violine), Martin Bräutigam (Viola) und Christian Raudszus (Violoncello) präsentierten den Besuchern ihre „Musik um Mozart“ , dem Inbegriff der Klassik. Weit über 250 Quartette aus der Zeit von 1780 bis 1830 haben sie zusammengetragen. In Bücknitz gaben sie das „Quartett B-Dur“ von Franz Tausch, Wolfgang Amadeus Mozarts „Klarinettenquartett B-Dur“, Georg Abraham Schneiders „Quartett C-moll“ und das „Quartett C-moll“ von Bernhard Henrik Crusell zum Besten. Die Spielfreude war den vier Musikern mit klassischer Ausbildung deutlich anzusehen. Mal tief in ihre ruhigen Klänge versunken, dann wieder impulsiv und mit vollem Körpereinsatz ließen die drei Streicher ihre Bögen über die Saiten gleiten, während Landgrebe in sein Instrument blies und mit flinken Fingern die Klangvielfalt der Klarinette unter Beweis stellte.
Am 4. September geht das bunte sechsteilige Programm der Bücknitzer Sommerkonzerte 2004 mit dem “Ballett Zebola“, das Musik und Tanz aus Zentralafrika präsentiert, zu Ende. Der anvisierte Durchschnitt von 40 Besuchern konnte übertroffen werden. Beim Kulturförderverein steht dann die 45000 Euro teure Sanierung des Kirchturms auf dem Programm. Wenn die Fördergelder bewilligt werden, könnte es im Herbst losgehen, ansonsten im kommenden Jahr. Mit den Einnahmen aus den Konzerten will der Verein die nötigen Eigenmittel aufbringen. Auch eine Sammlung im 300-Seelen-Dorf im Februar war sehr erfolgreich. „Es haben praktisch alle etwas gegeben“, so Vereinschef Thomas Böhm-Christl.
Daniel Herzog
Märkische Allgemeine Zeitung
9. August 2004
Indischer Tanz begeistert Gäste
Bücknitzer Sommerkonzerte mit besonderem Erlebnis
Samstagnachmittag: In der Bücknitzer Kirche ertönen fremdländische Klänge. Erzeugt mit Trommeln und Gesang. Tänzerin Ioanna Srinivasan erscheint in einem farbenprächtigen Kleid und beginnt von der ersten Bewegung an die Zuschauer in ihren Bann zuziehen. Ausdrucksstark bewegt sie sich zur Musik. Rasante Drehungen sind zu sehen, schnell gestampfte Rhythmen und elegante Bewegungen folgen. Die Art des Tanzens ist in Indien der Kathak. Das Besondere bei diesem Tanz ist, dass der Rhythmus erst auf der Bühne von der Tänzerin vorgegeben wird. Ioanna zählt auf Hindi Zahlen auf, die Bols, die Rhythmussprache beim Kathak, die den Takt angeben. Mal energisch, mal langsamer. Die Musiker nehmen das auf und setzen es mit den Instrumenten in Musik um. „Man kann es im Deutschen mit dem Rappen vergleichen“, sagt Musiker Ravi Srinivasan. Der Kathak ist in Indien ein Tanz wie in Deutschland das klassische Ballett, nur eine gesteigerte Form davon.
Die Sommerkonzerte werden vom Kulturförderverein Bücknitz organisiert. Daneben hilft der Verein mit, die Kirche zu erhalten. Wandmalereien sind im Innenraum noch deutlich zu sehen. Am Turm der Kirche bröckelt der Putz ab, und er bedarf einer schnellen Sanierung. „45 000 Euro sind nötig, um die Reparatur durchführen zu können“, sagt Vereinschef Thomas Böhm-Christl. An diesem Nachmittag werden von dem Fotograf Erich Höpfner aus Ziesar zwei Bilder zur Versteigerung angeboten. Das Bild „Die Schafsbrücke“ geht an Rainer Thieler aus Bücknitz; Den Zuschlag für „Die Abendstimmung im Fiener“ erhält Annemarie Kreuzkam aus Hannover. Die 73-Jährige war einzig und allein für den indischen Tanznachmittag nach Bücknitz gekommen.
Sigrid Zimmermann
Märkische Allgemeine Zeitung
13. Juli 2004
Mit fünf Harfen bezaubert
Publikum applaudiert Dagmar Flemming
Eine Zeitreise der besonderen Art konnten die etwa sechzig Besucher der Bücknitzer Kirche am Samstagnachmittag erleben. Die Berliner Harfenistin Dagmar Flemming war mit nicht weniger als fünf Harfen angereist und bezauberte ihr Publikum mit Musik aus acht Jahrhunderten. Darüber hinaus wusste Flemming viele Anekdoten rund um die Harfe und über berühmte Komponisten zu erzählen und sorgte so knapp zwei Stunden lang für kurzweilige Unterhaltung.
Die Harfe ist eines der ältesten Instrumente, das die Menschheit kennt. Bereits in einer Höhlenzeichnung, die etwa 30 000 Jahre vor Christus bei Ariège in Frankreich entstanden ist, kann man vermutlich eine Harfe bewundern. In der christlichen Rezeption des Mittelalters galt sie zunächst als göttliches Instrument. Doch anders als die Orgel entwickelte sie sich nach und nach zu einem rein weltlichen Instrument. Schon die Troubadoure begleiteten ihre Minnegesänge auf kleinen, mobilen Harfen. Dagmar Flemming stellte zwei dieser Instrumente vor, eine gotische und eine Schnarrenharfe, die so leicht sind, dass man sie mit einem Finger hoch heben kann.
Schlicht und melodisch klangen darauf zeittypische Kompositionen, wie beispielsweise „My Lady Carey's Dompe“ von Heinrich VIII. Bereits weitaus anspruchsvoller war die italienische Barockharfe, weil man auf ihr auch halbe Töne und Moll-Tonarten spielen kann. Einer der bekanntesten Komponisten für dieses Instrument war Johann Jakob Froberger (1616 bis 1667), der an sämtlichen europäischen Königshäusern ein gern gesehener Gast war. Von ihm kam das „Lamento“ zu Gehör, das er 1649 zum Tode von Ferdinand IV. in Rom komponiert hat. Die keltische Harfe, mit etwa 13 Kilo immer noch relativ leicht, ließ sich bereits komfortabel mit feststellbarem Haken umstimmen. Auf ihr spielte Flemming so bekannte Stücke wie das englische Volkslied „Greensleaves“ oder die Schottische Weise „Mary, Young and Fair“. Auch ein bretonischer Tanz fehlte nicht. Mit Kompositionen wie „Serenade“ von Felix Godefroid, „Orientale“ von Alphonse Hasselmans oder „Chanson dans la nuit“ von Carlos Salzedo und anderen bewies Flemming, wie vielseitig das Klangspektrum einer modernen Konzertharfe mit Doppelpedalen ist. Anerkennender Applaus belohnte die Künstlerin.
Ann Brünink
Märkische Allgemeine Zeitung
28. Juni 2004
Flöte in Bücknitz mal ganz anders
Rücken an Rücken dreht sich das Quartett und spielt dabei
Rücken an Rücken stehen die Körper der zwei Frauen und zwei Männer. Die Querflöten in ihren Händen geben Melodien von sich. Langsam beginnt sich die kleine Gruppe zu drehen. Eine Spieluhr aus Schaufensterpuppen. Doch plötzlich bewegen sich die vermeintlichen Puppen und nehmen in einer Reihe Aufstellung. Die Gruppe „VerQuer - flutes unlimited“ lockte mit ihrem ungewöhnlichen Repertoire am Samstag die Besucher zum zweiten Bücknitzer Sommerkonzert in die Dorfkirche.
Katrin Gerhard, Britta Roscher, Roberto Belarmino Malheiros und Maximilian Zelzner, allesamt studierte Flötisten, nahmen die Besucher mit auf „eine Reise durch Raum und Zeit“, die „kunterbunt durch die Epochen“ ging. Bass- und Altquerflöte über Große Flöte und Piccolo bis zu Perkussion, das Quartett beherrschte seine Instrumente perfekt und sprengte so die Grenzen des traditionellen Flötenspiels. Mit klassischen Stücken wie dem „Konzert für vier Flöten“ von Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bachs „Badinerie“ oder Heike Beckmanns jazzigem „Uptime“ ließen die vier Musiker ein abwechslungsreiches und beeindruckendes Klangbild entstehen.
Als Überraschung durften die Besucher in Bücknitz als weltweit erste „Silent movie“ des jungen amerikanischen Komponisten Benedikt Brydern hören, eine Stummfilmmusik ohne Stummfilm. „Den dürfen sie selbst in Ihrem Kopf ablaufen lassen“, forderte Zelzner das Publikum auf. Das 2000 gegründete Quartett benutzte neben den vielen Instrumenten auch die eigenen Körper zum Musizieren. Auf Bauch und Oberschenkel klopfend, mit den Füßen stampfend und pfeifend und zischend erinnerten die Musiker damit an eine Stepptanz- oder Trommlergruppe. Daniel Herzog
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag 14. Juni 2004
Musik Brasiliens zum Auftakt
Heiße Rhythmen beflügeln Versteigerung in Bücknitzer Kirche
Papadajada, Papadajada“, singen Gitarrist Pardal Freudental und Abrao Dutra am Perkussionsinstru-ment und eröffnen das Konzert mit einer schwungvollen brasilianischen Melodie. Flötist Johannes Walter, der Dritte im Bunde des Ensembles „Passarim“, wiegt sich lebhaft im Rhythmus dazu und begleitet die Beiden auf seiner Querflöte. Etwa achtzig Zuhörer sind am Samstag zur Eröffnung der diesjährigen Sommerkonzerte in die Bücknitzer Kirche gekommen und hören fasziniert zu.
brasilianische Kultur hat sich viele Einflüsse einverleibt, arabische, afrikanische, nordamerikanische.“ Mit wenigen Worten erklärt Freudental, was populäre brasilianische Musik ist. Warum es so schwer fällt, so bekannte Rhythmen wie Samba, Bossa Nova oder Reggae auf Anhieb zu erkennen? Das liege daran, dass er auf seinem Perkussionsinstrument zwar den Reggae-Rhythmus schlage, erklärt sein Partner Abrao Dutra, Pardal ihn aber auf der Gitarre nicht spiele. Das Ergebnis dieser verfremdenden Spielweise sei dann moderne brasilianische Musik.
Wer die beiden Vollblutmusiker erlebt, wird kaum glau-ben, dass sie Autodidakten sind. Pardal Freudental, des-sen Großeltern 1939 vor den Nazis aus Berlin nach Brasilien flüchteten, ist Ingenieur, und Abrao Dutra hat ursprünglich Jura studiert. Vor zirka zwanzig Jahren haben sie sich an der Universität kennen gelernt; da beide schon damals Musik über alles liebten, zogen sie bald gemeinsam durch die Bars und Cafés von Sao Paulo, spielten auf Festivals und Galas. Inzwischen leben sie seit Jahren in Berlin, wo Johannes Walter zu ihnen gestoßen ist. Der hat zwar in Nürnberg klassische Flöte studiert, liebt aber die brasilianische Musik so sehr, dass er mehrfach in Brasilien war und sich ihr schließlich ganz und gar verschrieben hat.
Die heißblütigen Rhythmen boten den perfekten Rahmen für eine Versteigerung der besonderen Art. Dank Internet hat der Engländer Nigel Pearson einen Spendenaufruf für die Bücknitzer Kirche gelesen und spontan beschlossen zu helfen. Nach der klitzekleinen Abbildung im Netz malte der Deutschlehrer ein kleines Aquarell von der Kirche und regte die Auktion an. Er habe noch nie etwas versteigert, verrät Thomas Böhm-Christl, Vorsitzender des Kulturfördervereins Bücknitz, hinterher. Aber wie ein Profi sorgte er mit aufmunternden Sprüchen für die richtige Bieterstimmung. Bei dem Einstiegspreis von einem Euro zogen noch viele mit. Das änderte sich schnell, als der Preis immer höher stieg. Ab 50 Euro lieferten sich nur noch zwei Bieter ein Duell. Mit dem Gebot von 73 Euro bekam Annemarie Wendland aus Ziesar schließlich den Zuschlag. Ann Brünink
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 15. September 2003
Frauen wissen mehr Lieder
Duo Concertante“ beendet 6. Bücknitzer Sommerkonzerte
„Im allgemeinen wissen Frauen mehr Lieder und behalten sie zuverlässiger als die Männer.“ Dies die Erfahrung des ungarischen Komponisten Béla Bartók (1881 bis 1945), als er seinerzeit über die Dörfer seiner Heimat zog und Volkslieder und Tänze sammelte. Mit einem gewissen Lächeln zitierten die beiden Damen vom „Duo Concertante“, Anke Bünz-Elfferding (Querflöte) und Elisabeth Böhm-Christl (Fagott), solche Aussprüche als Beigabe zu ihrer Musik.
Für das letzte Bücknitzer Sommerkonzert dieses Jahres am Sonnabend hatten die Musikerinnen ein ebenso unterhaltsames wie anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Dabei konnten sie zwei Originalwerke für die ungewöhnliche Besetzung Flöte/Fagott präsentieren: Zu Beginn ein Duo concertante in C des Böhmen Josef Fiala (1748 bis 1816), dem sie auch den Namen ihres kleinen Ensembles entlehnten, und als Zugabe „Kleinigkeiten“ des zeitgenössischen tschechischen Komponisten Pavel Stanek. Ansonsten waren alle Stücke von Bach bis Prokofjew ursprünglich für andere Instrumente oder sogar für großes Orchester geschrieben und von den beiden Interpretinnen oft recht witzig arrangiert. Besondere Heiterkeit rief der „Chattanooga Choo-Choo“ hervor, allen bekannt in Udo Lindenbergs Honecker-Version.
Dazu gab es lockere Kommentare. Beide Frauen sind hoch professionelle Musikerinnen, lehren an der Berliner Universität der Künste, spielen sonst in Orchestern oder in kammermusikalischen Besetzungen. Wie am Instrument, sind sie auch als Lehrerinnen mit Begeisterung bei der Sache. Dabei haben sie keine Scheu vor populärer Musik, ähnlich ihrem Vorbild Bartok, der von der Volksmusik sagte, sie sei „dem Komponisten ein vorzüglicher Lehrmeister“.
Die Sommerkonzerte in der Bücknitzer Kirche haben damit schon ihren sechsten Jahrgang vollendet, wie Thomas Böhm-Christl vom Kulturförderverein Bücknitz berichtete . Der Verein sammelt nebenbei Spenden für die Restaurierung der schönen Dorfkirche, die sich als Konzertraum sehr gut eignet. Die Konzertprogramme sind weit gefächert. Es, werde keine andächtige Klassik "zelebriert", sondern Musik werde als ein Lebensmittel für Zeitgenossen verstanden, so der Vereinsvorsitzende. In diesem Jahr gab es bereits bulgarischen Folk-Jazz mit dem Ensemble „Yerewan“, klassische und moderne Streichquartette sowie ein Klarinettenquartett mit Musikern der Brandenburger Philharmoniker, Flamenco-Tanz und -musik sowie anglo-irische Folk-Musik. In den Pausen der nachmittäglichen Konzerte werden Kaffee und hausgebackener Kuchen gereicht. Kein Wunder, dass die Konzerte einen festen Kreis von Liebhabern und von Sponsoren gefunden haben. Peter E. Gramse
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 19. August 2002
Klänge, die in die Beine gehen
Folkmusik bei Konzert in Bücknitz
Die Kombination von Kirche und Musik lässt die meisten spontan an die ehrfurchtsvollen Klänge einer großen Orgel denken. Anders am vergangenen Sonnabend. Die Gruppe Cunla, benannt nach einem irischen Heiligen aus dem 6. Jahrhundert, präsentierte ihre "Musik zum Anfassen" in der Bücknitzer Dorfkirche. Gegen 16 Uhr versammelten sich über 100 Neugierige in der schmucken kleinen Kirche des Dorfes, um mit dem in Hannover lebenden nordirischen Ehepaar Brid und Colm sowie der Bielefelderin Anne ein Konzert der etwas anderen Art zu erleben.
Dabei handelte es sich weniger um Konzertmusik zum Stillsitzen als vielmehr um eine irische Party zum Mitmachen und Dabeisein. Mit einem abwechslungsreichen Repertoire aus Liedern in englischer und gälischer Sprache begeisterte das Trio sein Publikum. Melancholische Balladen und filigrane Harfenstücke wechselten sich mit derben Shanties und schnellen Violinenklängen ab.
Irische und schottische Folksongs wie "Whiskey in the Jar", Jell me ma" oder "Lord of the Dance" animierten das Publikum zum Mitsingen, was den meisten nach dem Verteilen der kopierten Refrains wesentlich leichter fiel. Dabei dürfte einigen im Publikum die Melodie des Stückes "Wild Rover" eher von Klaus und Klaus und ihrem Lied "An der Nordseeküste" bekannt gewesen sein. Ganz Mutige versuchten sich gemeinsam mit Brid im Irish Step Dancing, was ihnen sichtlich Spaß bereitete.
Dieser stimmungsvolle Nachmittag wurde vom Kulturförderverein Bücknitz im Rahmen der zum fünften Mal stattfindenden Bücknitzer Sommerkonzerte organisiert. Mit den jährlich sechs Konzerten soll das kulturelle Angebot in der Gemeinde verbessert und ein Beitrag zur Sanierung der Dorfkirche geleistet werden, so der Leiter des Vereins Thomas Böhm-Christl. Daniel Herzog
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 15. Juli 2002
Ein Funke jiddischer Kultur
"Manifest" brachte die Bücknitzer Kirche mit lebensfroh-melancholischem Klezmer zum Klingen
BÜCKNITZ .Es sind die melancholisch-heißblütigen Lieder der Vertriebenen, die sie schon lange faszinieren. Am Sonnabend brachten die fünf Mitglieder der Klezmer-Gruppe "Manifest" in der Dorfkirche Bücknitz Musik der osteuropäischen Juden zu Gehör, Geschichten, die von Liebe und Verlust, Hoffnung und Armut erzählen. Das Programm bot einen Ausschnitt aus der CD "Mit Tränen aber kann man keine Tränen stillen". Berühmte Melodien wie zum Beispiel "Ale brider" wurden da voller Verve und mit viel Einfühlungsvermögen zu neuem Leben erweckt. Und damit auch das Andenken an ein Volk, das während der langen Geschichte seiner Verfolgung am Rande des täglichen Abgrunds sich immer eine überschäumende Lebenslust bewahrte.
"Zuerst war das nur die besondere Stimmung in der jiddischen Musik, die uns gefallen hat", erinnert sich Harald Petzold, einer der Musiker. Vor der Wende sei es schwer gewesen, mit einem solchen Programm in die Öffentlichkeit zu gehen. "Nach der Wende hat uns die Musik dann Halt gegeben. Als wir uns im eigenen Land plötzlich wie Fremde fühlten", so Petzold, der sonst als Musiklehrer tätig ist und die Arrangements für "Manifest" erarbeitet. Er hofft, in schlechten Zeiten Kraft und Lebensfreude weitergeben zu können. Dass die Botschaft der Potsdamer Musiker ankam, ein Funke der jiddischen Kultur zum deutschen Publikum übersprang, zeigte sich an den Kindern. Die fingen spontan an, in der Kirche zu den rhythmusbetonten Klängen zu tanzen. Sie blieben auch nach Aufforderung der Musiker allerdings die einzigen, die die Kirchenbänke verließen.
Der Veranstalter Thomas Böhm-Christl vom Kulturförderverein Bücknitz durfte das Konzert, das in der Reihe der Bücknitzer Sommerkonzerte stattfand, wohl als Erfolg werten. Die Kirche war an diesem Nachmittag gut besucht. Geplant sind nun noch drei weitere Veranstaltungen. "Alles keine Schmalspurkonzerte", wie Böhm-ChristI versichert. So ist im August die Gruppe Cunla mit anglo-irischem Folk sowie das Kammer-Jazz-Quartett Berlin in Bücknitz zu Gast. Im September darf man sich über das Schubert-Ensemble freuen. Jörg Zimmermann
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 16. Juli 2001
Wie aus Krach Musik wird.
Erstes Kinder-Konzert in Bücknitz
Irgendwann hat wohl jeder einmal mit dem Holzlöffel auf Großmutters Kochtopf geschlagen. Musik war das nicht, bestenfalls Krach, und der wurde dann schnell und meist recht nachhaltig unterbunden. Bei den vier Musikern, die Sonnabend in Bücknitz zu erleben waren, muss das anders gewesen sein.
Lange hätten sie über Formen nachgedacht, mit denen Kinder an klassische Musik herangeführt werden könnten, erklärt Cellist Thomas Böhm-Christl. Zusammen mit Saxophonist Joachim Gies bildet er den Kern des kleinen Ensembles, das durch Dafyd Palaitis und Sabine Ahlert und deren Instrumente erweitert wurde.Im Rahmen der Bücknitzer Sommerkonzerte machten sie erlebbar, was alles möglich ist, wenn sich zur Spiel- die Experimentierfreude gesellt. Bei dem, was da in der kleinen Kirche geboten wurde, leuchteten wohl bei allen Zuschauern die Augen.
Wer erwartet schon, dass eine nur mit wenig Wasser gefüllte einfache Blechschüssel durchaus wohl- und nachklingende Geräusche erzeugen kann? Und wenn sich das mit dem Pfeifen des Australiers Palaitis vereint, dann lässt das nur noch staunen. Ein Konzert war das, das selbst die gurgelnden Klänge aus ausgehöhlten Kürbishälften mit den Tönen von Blasinstrumenten vereinte, die nichts weiter waren als handelsübliche Abflussrohre. Selbst Reibegeräusche auf Glasscheiben wurden bei den vier Musikern zu harmonischen Klängen, zu rhythmischen Improvisationen und selbst zu herrlich verjazzten Stücken. Wie das bekannte Kinderlied Fuchs, du hast die Gans gestohlen, das es erst zu erraten und dann mitzusingen galt. Zum Mitmachen war überhaupt genug Gelegenheit, und die vielen Kinder dafür zu gewinnen, das gelang den Künstlern spielend. Egal, ob die Kleinen gerade erst laufen konnten oder schon zur Schule gingen. Fröhlich wurde probiert, getanzt und gesungen.
Ganz ohne Technik geht es natürlich nicht. Dafür haben die Musiker experimentiert. Improvisationen sind eigentlich flüchtig und nicht wiederholbar, dennoch gibt es eine CD. Wer am Ende also mochte, konnte sich das Klangerlebnis mit nach Hause nehmen - vielleicht zum Beweis dafür, was aus dem "Krach" in der Küche noch Tolles hätte werden können. bär
Märkische Allgemeine
Montag, 16. Oktober 2000
Ruf der Dingos in Bücknitz
Weltmusik mit "Yulara" begeisterte
Die dritten Bücknitzer Sommerkonzerte waren, gemessen an den Besucherzahlen, die bisher erfolgreichsten. Das mag daran liegen, dass der veranstaltende Bücknitzer Kulturförderverein das Programm in diesem Jahr ganz bewusst einem breiteren Publikumsgeschmack öffnete und neben ernste Musik selbst feurige neapolitanische Lieder stellte.
Der Musiksommer in der normalerweise nicht beheizbaren Dorfkirche ging vor einem Monat zu Ende. Dank eines "Heiz-Sponsors" gab es nun am Sonnabend aber noch ein "Sahnehäubchen", das die kleine Kirche zum Bersten füllte. Gut hundert Besucher vom Kleinkind bis zum Greis waren gekommen, um das Konzert von "Yulara" zu erleben.
Von Annie Hilsbergs ausdrucksstarken Saxophon- und Querflötenspiel dominiert, boten die vier Musiker melodiebetonten Jazz, der vor allem von der Aufnahme asiatischer Einflüsse zehrt. Aufs Deutlichste wohl, als "Special Guest" Nicole Janthur, eigentlich Tambura-Spielerin, ins Bühnengeschehen eingriff. Keyboarder Robert Matt - neben Hilsberg Mitbegründer der Berliner Gruppe - beeindruckte in Bücknitz mit seinem Obertongesang, der dem europäischen Hörgewohnheiten angepassten Stilmix von Meditation bis rockigem Tanz noch eine ganz besondere Note aufdrückte. Als Christian Wasdarius ein feuriges Trommelsolo hinlegte, das dann auch vom Schlagzeuger Andrew McGuiness und vom Bassisten Simon Pauli aufgegriffen wurde, war die Begeisterung des Publikums schließlich perfekt.
Stilistische Finessen, wie der dem Titel "All of the deep" unterlegte Gesang der Buckelwale, das Heulen der australischen Dingos oder die ursprüngliche Intention, die dem Titel "Rain on fire" zugrunde lag, bedurften schon der kurzen Erklärungen, die Annie Hilsberg gab. Wie sonst hätte sich das Publikum die ungewöhnlich ausgelassene Fröhlichkeit der Musiker bei "Rain on fire" erklären sollen, wenn nicht klar gewesen war, dass hier ein gewaltiges Naturschauspiel zugrunde liegt. "Eine riesige Regenwolke", erklärte Hilsberg dem Publikum, "hatte in Nordamerika mit einem Schlag ausgedehnte Waldbrände gelöscht, gegen deren Ausbreitung Feuerwehrleute zuvor wochenlang machtlos waren."
Diese Art fast mystischer Naturverklärung, die Klangbilder zwischen Traum und Wirklichkeit - die Musik zum sanften Sichfallenlassen und zum Relaxen stehen lässt - ist das eigentliche Markenzeichen von "Yulara". Das manifestiert sich selbst im Gruppennamen: "Yulara" heißt in der Sprache der australischen Ureinwohner: Ruf des Dingos. Berhardt Rengert
Märkische Allgemeine Zeitung
30. August 1999
Klassisch im besten Sinne
Drittes Sommerkonzert in Bücknitz
Ein kleiner Freundeskreis um den Musiker und Wahl-Bücknitzer Thomas Böhm-Christl organisiert seit 1998 die Sommerkonzerte in der spätromanischen Feldsteinkirche des Dorfes. Von der feinen, weitgehend hallfreien Akustik der Kirche sind Besucher wie Musiker immer wieder überrascht. So auch die Musiker des Berliner Jupiter-Quartetts, die am Sonnabend für das dritte Konzert dieses Sommers sorgten.
Mit Wolfram Korr (Violine), Aysegül Kalden (Violine), Angelika Maringer (Viola) und Theodor Hotze (Violoncello) stellte sich damit in der sonst eher "bläserlastigen" Konzertreihe zugleich erstmals ein reines Streichquartett vor. Klassisch im besten Sinne und dennoch fröhlich und leicht klangen zum Auftakt die vier Sätze von Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809 -1847) Streichquartett B-Dur opus 44/1 durch das Gotteshaus.
Dem Anspruch und zugleich besonderen Reiz der Bücknitzer Sommermusiken, den Zuhörern Musik aller Zeiten in ihren vielfältigen Spielarten und Stilrichtungen nahezubringen, wurde das Jupiter-Quartett dann nach der Pause in ganz besonderer Weise gerecht. Locker und nicht ganz ernst verknüpfte Violinist Wolfram Korr die nun folgenden neun kurzen Stücke verschiedener Komponisten in seinen Ansagen miteinander. Wollte man ihm nämlich glauben, dann ist ein "Streichquartett eigentlich dafür da, um Schnulzen zu spielen".
Das mag bei Rachmaninows romantischen Stücken zutreffen, vielleicht auch bei Griegs "Hochzeit auf Trolthagen", gewiss aber nicht bei Fra in another world", der Streicherbearbeitung einer Jazzkomposition von Duke Ellington. Der Spaß kam also nicht zur kurz und mit Werner Thomas-Mifunes "Haydns südamerikanische Seitensprünge" erklang zum Abschluss eine zeitgenössische musikalische Collage, in der sich Klassik und bekannte Tangorhythmen zu einem eigenwilligen Stück vereinen.
Die vierte und letzte Veranstaltung der diesjährigen Bücknitzer Sommerkonzerte wird es am 4. September um 17 Uhr geben. Mit "Reed Art Berlin wird sich dann ein siebenköpfiges Bläserensemble vorstellen, das mit Stücken von Schubert, Debussy, Lange, Gounod und Bizet eine musikalische Puppenkiste der besonderen Art öffnen wird. Bernhardt Rengert
Märkische Allgemeine Zeitung
Montag, 6. September 1999
Spektakel von Oboe und Fagott
Holzbläser begeistern in Bücknitz
Das Rosa und Gelb der Steinwände in der Dorfkirche zu Bücknitz hat seit langem kein frischer Farbklecks verschönt. Holzwürmer haben sich in den Kirchenbänken ihre Eingänge gefressen, Staub liegt darüber. Das stört den kleinen Paul Redlich wenig. Mit seiner Mutter Juliane und Brüderchen Luca ist er aus Berlin gekommen. Bei Schuberts Klängen ist ihm der Kopf schwer geworden, er seufzt und stützt ihn auf die Bank. Der Blick des 7-Jährigen wandert durch die Kirche, ein Blinzeln in die Strahlen der Septembersonne, die sich ihren Weg durch die Oberlichter suchen. So streift er den Altar, die Marionette und die Puppe auf dem Taufbecken. Angestrahlt vom Scheinwerferlicht erhellten am Sonnabendabend sieben Musiker des Berliner Ensembles "Reed Art" das ehrwürdige Gemäuer mit Klängen von Franz Schubert, Claude Debussy, Georges Bizet. Zum vierten und letzten Mal hatten sich Bücknitzer, Ziesaraner, Berliner in der kleinen Kirche zu den Sommermusiken eingefunden. Diesmal lauschten gut 50 Besucher einem Programm auf Doppelrohrinstrumenten, wie Oboe und Fagott. "Musikalische Puppenkiste hatte das Ensemble "Reed Art die Darbietung getauft. ,Durch Marie-Luise Kaschnitz Stück "Puppenspieler" sind wir auf diese Idee gekommen", erzählt Musikerin Almute Zwiener. So durfte diese Geschichte nicht fehlen. Nach jedem Musikstück präsentierten sich die Holzbläser als Erzähler: Ob mit einem Auszug aus dem "Zinnsoldaten" oder der Geschichte vom Hasen in der Großstadt.
Bei Charles Gounods "Trauermarsch einer Marionette" sitzt Paul kerzengerade in der Kirchenbank und summt einfach mit. Oboen und Fagotte liefern sich ein Spektakel, als würden Puppen tippelnd durch die Kirche tanzen. Vom Publikum gibt es dafür schallenden Applaus. Und Paul scheint so begeistert, dass er seinem Brüderchen Luca erst mal einen Kuß auf die Wange drückt.
Thomas Böhm-Christl freut sich über das Ankommen seiner Idee. Er hatte gemeinsam mit zwei anderen Musikliebhabern den Freundeskreis Bücknitzer Kulturveranstaltungen ins Leben gerufen und damit auch die Sommermusiken in der Dorfkirche. Viele im Ort bieten sogar ihre Mitarbeit an", sagt Böhm-Christl, der selbst musiziert und komponiert. Er plant einen Verein zu gründen, der sich der Arbeit des Freundeskreises stärker widmen kann. Ob im nächsten Jahr wieder Musiker in der Heiligen Halle des Dorfes spielen werden? "Wir wollen das schon, doch im Moment fehlt es am Geld." Claudia Legenstein
Märkische Allgemeine Zeitung
13. Juli 1998
Ein Dorf erwacht
Musikalisches Brachland soll mit den Bücknitzer Sommerkonzerten beackert werden, um es salopp zu sagen. In der beschaulichen Feldsteinkirche wollen die Organisatoren das etwas andere Sommerkonzert bieten. Keine weihevolle Klassik, sondern lebendige zeitgenössische Musik. Neu-Bücknitzer konnten für ihre Idee Handwerker und Geschäfte der Umgebung begeistern. Und Leute aus dem Dorf. Das Gotteshaus war am Sonnabend voll. Selbst von Potsdam und Berlin reisten Musikfreunde an.
Kultur in der Kirche - dafür war im Altkreis Brandenburg bisher vor allem der Reckahner Ortsteil Meßdunk bekannt. Nun schickt sich auch die kleine Gemeinde Bücknitz im Fiener an. Ein Dorf erwacht.
Das Anliegen ist plausibel. Warum soll in einer Kirche mitten im Ort nur sonntags zu den Gottesdiensten Leben einziehen, zumal die Region mit Konzerten und Musik-Stätten alles andere als reich gesegnet ist. Warum muß Kultur immer gleich viel Geld kosten, wenn es auch mit einfachen Mitteln geht. Freilich, es müssen sich Leute finden, die die Sache anschieben und am Laufen halten. Claudia Nack
Märkische Allgemeine Zeitung
13. Juli 1998
Illustre Reisen in Bücknitz
Das etwas andere Sommerkonzert
Still und verträumt liegt sie da, die schöne, spätromanische Feldsteinkirche von Bücknitz. Nur wenig überragt der Kirchturm die umliegenden Häuser des Dorfes. Genauso beschaulich wie es das Äußere verkündet, geht es normalerweise auch im Innenraum dieser Kirche zu. Putz blättert von den Wänden, ein schlichter, schmuckloser Altar als Krönung des Ganzen. Die "Bücknitzer Sommerkonzerte: Das etwas andere Sommerkonzert" sind ein Versuch, im Raum Ziesar das kulturelle Leben zu beflügeln, meinte Thomas Böhm-Christl, Mitorganisator der Konzertreihe. Und gemäß diesem Motto hauchte am Sonnabend nachmittag das "Musagetes-Quintett" dieser kleinen Dorfkirche, ungeahntes, neues Leben ein. Heiter und stimmungsgeladen glich der Nachmittag einer musikalischen Reise durch Raum und Zeit. Die fünf Musiker sprengten mit Haydn, Jean Francais, Arturo Marquez und Malcolm Arnold nicht nur musikalisch gewohnte Grenzen. Der musikalische Ausflug mit Flöte, Oboe, Klarinetten, Horn und Fagott bis ins ferne Mexiko hinüber, begeisterte die zahlreichen Gäste des zweiten Konzertwochenendes. Lustig, leidend, triumphierend. Klassisches fließt scheinbar spielerisch ins Volkstümliche ein, alte Weisen vom Volkstanz bis zum Seemannsgarn, stehen neben unbändig vorgetragener Modernität. Bestimmend das frische und harmonische Spiel des Quintetts, das auf eine grandiose Art und mit ungeahnter Unterhaltsamkeit beim Publikum Anklang fand. Trotz unbequem am Hinterteil drückender Holzbänke vermitteln die gestandenen Musiker auf ihrem frisch gezimmerten Podium hinter dem Taufbecken eine Konzertraum-Atmosphäre. "Diese Kirche hat eine wirklich gute Akustik", staunte selbst Hornist Arturo Mendoza.
"Die Idee zu einer Konzertreihe in Bücknitz entstand Anfang des Jahres", sagt Böhm-Christl, selbst Neu-Bücknitzer. Die Frage lautete nur, ob eine derartige Veranstaltung im Ort Unterstützung und Anklang finden würde. Erstaunlich dann aber die Resonanz der Gewerbetreibenden und Einwohner, die die Konzertreihe tatkräftig mit Spenden unterstützten. Sollte es doch auch darum gehen, im Raum Ziesar "musikalisches Brachland" mit einer erfrischenden und abwechslungsreichen Konzertreihe zu erschließen. Skurril die Mischung: mexikanischer Danzon neben "What shall we do with a drunken sailor". Ein Nachmittag, der Lust auf mehr macht und nur Gutes für Bücknitz verheißt. dur
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